Nachteile einer Ausbildung in Deutschland: Ehrliche Antworten

Lesedauer: 6 Minuten.

Wenn du dich für Ausbildung in Deutschland interessierst, findest du oft nur Reklame, wie toll eine Ausbildung doch ist. Aber ist das wirklich so? Welche Nachteile einer Ausbildung in Deutschland gibt es – und welche Alternativen? Unser Guide für dich.

Verstehe uns nicht falsch: Wir glauben, dass die Duale Berufsausbildung wirklich ein Knaller ist. Fast nirgendwo gibt es so gute Facharbeiterinnen und Facharbeiter wie in Deutschland. Dies kommt im Wesentlichen durch die duale Berufsausbildung. Die Vorteile der Ausbildung sind insbesondere Standardisierung, staatliche Kontrolle und der Schutz von Berufen mit hohen Ansprüchen.

Aber: Es gibt nun einmal auch Nachteile einer Ausbildung und diese werden oft verschwiegen. Wir glauben, dass du als künftiger Azubi oder Azubine voll informiert sein solltest. Deshalb erklären wir dir hier einmal die wichtigsten drei Nachteile einer Ausbildung in Deutschland. Und am Ende einige Alternativen.

Nachteile einer Ausbildung in Deutschland: Die Dauer

Eine Berufsausbildung in Deutschland dauert ziemlich lange. Die kürzesten dualen Berufsausbildungen dauern 24 Monate – die längsten bis zu 42 Monate. Zwei bis dreieinhalb Jahre Ausbildungsdauer sind wirklich viel Zeit. Hast du Abitur, dann könntest du in dieser Zeit auch beispielsweise bequem ein ganzes Studium zum Bachelor machen.

Nachteile einer Ausbildung in Deutschland: Das Gehalt

Klar ist: Die Dauer einer Berufsausbildung hat durchaus seinen Grund: Etwa die Hälfte der Zeit lernst du praktische Dinge im Betrieb und arbeitest – die andere Hälfte lernst du theoretische Dinge in der Berufsschule. Je nach Beruf baucht es diese Zeiten, um dich hier zur Facharbeiterin / zum Facharbeiter auszubilden.

Dennoch muss man ehrlich sagen, dass diese Zeitspannen etwas zu lang erscheinen. Sicherlich kann man hier einiges Kürzen, damit du schneller in den Beruf kommst. Vielleicht, indem bestimmte Module nach einer Facharbeiterprüfung angeboten werden. Es ist zu erwarten, dass hier Manches in Zukunft schneller und flexibler werden wird. Für den Moment gilt aber: Eine Berufsausbildung in Deutschland braucht ihre Zeit.

Tipp: Wenn du weißt, dass du nicht gerne lernst oder nicht gerne lange in einem Unternehmen oder Lebensabschnitt verweilen magst: Suche dir doch eine besonders kurze Berufsausbildung heraus. Du musst ja nicht unbedingt diejenige Berufsausbildung mit der längsten Dauer wählen.

Nachteile einer Ausbildung in Deutschland: Das Gehalt

Das Ausbildungsgehalt liegt in Deutschland bei einer dualen Berufsausbildung zumeist irgendwo im Bereich zwischen 800 und 1.200 Euro monatlich. Dem steht eine Regelarbeitszeit von ungefähr 40 Stunden pro Woche gegenüber (160 pro Monat). Hieraus ergibt sich ein Stundenlohn von etwa zwischen 5 und 7,50 Euro brutto.

Ein solches Gehalt ist nicht nur niedrig, es ist auch deutlich unterhalb des aktuellen Mindestlohns. Wenn du nicht noch bei den Eltern wohnst oder andere Einnahmequellen hast, dann ist dieses Geld für dich als Azubi echt eng bemessen.

Die Arbeitgeber argumentieren hier oft, dass du ja die Hälfte der Zeit in der Berufsschule sitzt und lernst statt zu arbeiten. Dem muss man entgegenhalten, dass kein Mensch in Deutschland von einem Lohn zwischen 5 und 7,50 Euro brutto vernünftig leben kann.

  • die Möglichkeit, etwas hinzuzuverdienen. Das kannst du bis zu 10 Stunden pro Woche. Bei einem angenommenen Lohn von 14 Euro pro Stunde kommst du so auf monatlich 560 Euro mehr – das ist dann schon etwas, womit du besser leben kannst.
  • dass dir dein Unternehmen ein Notebook oder ein Smartphone mit Internet zur Verfügung stellt. Das brauchst du zum Lernen und wenn du es vom Unternehmen bekommst, musst du es dir nicht selbst kaufen.
  • es Zuschüsse wie Benzingeld, Fahrkarten etc. gibt – zumindest dass deine Fahrten von und zur Berufsschule abgedeckt werden.

Wenn du also eine Ausbildung startest, dann solltest du von deinem Unternehmen einfordern:

Ja, eine Ausbildung ist nicht wirklich gut bezahlt. Richtig Geld verdienst du erst nach der Ausbildung – vor allem dann, wenn du dein eigenes Unternehmen eröffnen kannst.

Nachteile einer Ausbildung in Deutschland: Der Umgang im Betrieb

Wir verraten dir ein kleines Geheimnis: In jedem Betrieb wird es mindestens eine Person geben, mit der du dich so richtig nicht verstehst. Vielleicht eine Person, die blöde Sprüche macht, dich komisch ansieht oder ignoriert oder die hinter deinem Rücken über dich Lügen in die Welt setzt. Beruhige dich: Das ist normal und das kann dir auch als Azubi passieren.

Du bist als Azubi der Einsteiger im Betrieb und du weist oft nicht viel. Eine Sache ist, wenn man ab und zu einen Spaß mit dir macht. Aber es kann dir insbesondere auch als Azubi passieren, dass der Umgang mit dir dauerhaft schlecht ist.

Es ist nicht normal und nicht akzeptabel, wenn du als Azubi beispielsweise gemobbt wirst oder dein Ausbildungsleiter oder dein Chef und deine Kollegen immer schlecht mit dir umgehen. Naja: den einen oder anderen Schwerz wirst du wohl über dir ergehen lassen müssen – den wirst du früher oder später auch seitens der Kunden erleben. Und auch wenn du studiert haben solltest: Einsteiger bekommen immer irgendetwas ab.

Aber kein Azubi sollte mit hängenden Schultern oder gar weinend zur Arbeit gehen. Wenn das so ist, dann solltest du schleunigst den Betrieb oder den Beruf wechseln. Dafür gibt es Ansprechpartner über die Arbeitsagentur, die Handwerkskammern oder die IHKs.

Wir wollen nicht sagen, dass ein schlechter Umgang mit den Azubis sehr häufig ist – aber wir sagen, dass sich der Umgang mit den Azubis in vielen Fällen deutlich verbessern kann.

Alternativen

Wir glauben, dass sich die duale Berufsausbildung in Deutschland künftig ändern wird. Sie muss sich ändern – vor allem in den drei genannten Bereichen. Wenn du dich jetzt für deine Zukunft entscheiden willst, kannst du auf diese Änderungen natürlich nicht warten. Welche Alternativen bleiben dir also?

Höherer Schulabschluss

Wenn dich die genannten Dinge sehr stören und die Chancen einer Ausbildung überwiegen, dann überlege doch, ob du nicht einen höheren Schulabschluss machen willst. Hast du einen Hauptschulabschluss, dann versuche dich einen Realschulabschluss nachzuholen. Mit diesem kannst du bessere Ausbildungsplätze erhalten oder sogar studieren. Hast du einen Realschulabschluss, dann ist das Abitur erst recht nicht unerreichbar: Du kannst das Abi nachholen.

Duales Studium

Eine echte und sehr attraktive Alternative zur dualen Berufsausbildung kann das duale Studium sein. Das duale Studium in Deutschland ist eine ideale Möglichkeit, um praxisorientiert zu studieren. Im Dualen Studium hast du fixe Praxisphasen in einem Unternehmen, das dich anstellt. Parallel absolvierst du ein Studium an einer Fachhochschule, Berufsakademie oder einer Universität. 

Möglichkeiten in Deutschland

Duale Berufsausbildung
Studium
Duales Studium
Au pair
Freiwilliges Soziales Jahr
Freiwilliges Ökologisches Jahr
BFD
Work and Travel
Praktikum
Freie Jobs

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