Enorme Jobmöglichkeiten in der deutschen Bauindustrie

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Wer als Ausländerin oder Ausländer auf dem Bau arbeiten möchte, hat in Deutschland in den nächsten Jahren voraussichtlich gute Perspektiven. Wir erklären, warum und wie man hier einen Job bekommt.

Die Entwicklung der Beschäftigung auf dem Bau

Nach einem Beschäftigten-Tiefpunkt infolge der Finanzkrise 2008 hat die Bauindustrie in Deutschland seitdem massiv Personal eingestellt. “Wir haben seit dem Beschäftigten-Tiefpunkt 2009 ungefähr 460.000 Personen eingestellt, abzüglich der Rentenabgänge war dies ein Plus von knapp 207.000 Personen”, erklärte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Dies habe keine andere Branche in Deutschland geschafft.

Tatsächlich folgte der Finanzkrise ein beispielloser Boom im Bau von Gewerbeimmobilien, Wohnimmobilien und Infrastrukturbauten, der bis heute anhält. Für die kommenden Jahre ist jedoch sowohl ein Anstieg der Inflation in Deutschland wie ein langsameres Wirtschaftswachstum zu erwarten. Dies kann die Aufträge der Bauindustrie und damit die Neueinstellungen auf der einen Seite negativ beeinflussen.

Auf der anderen Seite bestehen durch notwendige Investitionen insbesondere in die Energieinfrastruktur auch Chancen für viele neue Aufträge. Auf dem Wohnungsmarkt ist die Nachfrage nach Neubauten derzeit zwar rückläufig, der Bedarf ist aber weiterhin sehr hoch.

So oder so wird es nach heutiger Erwartung entweder früher oder etwas später einen nochmals höheren Bedarf an neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Bauindustrie geben als heute. Erwartet wird, dass in Deutschland im Jahr 2030 über 100.000 Bauarbeiter und Bauarbeiterinnen fehlen werden, besonders wegen der Altersstruktur in der Bauindustrie. Hier wie fast überall geht die Baby-Boomer-Generation in den nächsten Jahren in die Rente. Wie für viele andere Branchen erhöht sich damit auch für die Bauindustrie der Fachkräftedruck.

So sollen mehr Ausländer auf dem Bau arbeiten können

Um die erwarteten 100.000 offenen Stellen der Bauindustrie im Jahr 2030 zu besetzen, bestehen mehrere Möglichkeiten, darunter:

  • den bestehenden Personalpool in Deutschland besser zu nutzen (u.a. durch Qualifizierung an der technologischen und digitalen Transformation)
  • ein verstärkter Einsatz digitaler Werkzeuge, Methoden und Prozesse im Bau zur Einsparung von Arbeitskräften
  • der Abbau von Verwaltungsaufwand durch Vereinheitlichung von Vorschriften zum effizienteren Personaleinsatz
  • eine engere Verzahnung von Planen und Bauen zur Steigerung von Effizienz.

Schlussendlich wird der Bau aber trotz dieser und anderer Maßnahmen auch weiter Fachkräfte benötigen, die Hand anlegen und Bauten errichten können. Da Personal unverzichtbar ist und dieses in Deutschland zu gering verfügbar ist, ist für viele Unternehmen die Gewinnung von Personal aus dem Ausland die erfolgversprechendste Strategie. Angesichts zu geringer Zuwanderung von Fachkräften aus den anderen EU-Staaten ist daher die Personalgewinnung in Nicht-EU-Staaten vonnöten.

In diese Richtung zielen Instrumente wie das Job Seeker Visum und die geplante Chancenkarte. Speziell mit der Chancenkarte sollen Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern gewonnen werden können, indem das Antragsverfahren verbessert wird. Wie die Zuwanderung von Nicht-EU-Bürgern für die Arbeit in der deutschen Bauindustrie im Detail gesteigert werden kann, wird in den kommenden Monaten ausgearbeitet.

Klar wird aber sein, dass die deutsche Politik an fachlichen Qualifikationen und deutschen Sprachkenntnissen festhalten wird. Allenfalls zu erwarten ist, dass Defizite in einem Qualifikationsbereich durch Mehrkenntnisse in einem anderen Bereich ausgeglichen werden kann. Da dies jedoch zu qualitativen Einschätzungen und damit zu manueller Bearbeitung durch Behörden führen wird, ist derzeit kaum vorstellbar, dass die Chancenkarte die enormen Fachkräftelücken auch nur ansatzweise stopfen kann.

Als Ausländerin oder Ausländer auf dem Bau arbeiten

So kann man als Ausländer auf dem Bau in Deutschland arbeiten

EU-Bürgerinnen und EU-Bürger können auf Basis der Arbeitnehmerfreizügigkeit weiterhin jederzeit eine Tätigkeit in Deutschland aufnehmen. Dies gilt auch für Personen aus der Schweiz, Island, Liechtenstein und Norwegen. 

Wer als ausländische Fachkraft aus einem Nicht-EU-Staat oder Nicht-EWR-Staat die im Baugewerbe aufkommenden Chancen in Deutschland nutzen möchte, für den empfiehlt sich eine Zweifachstrategie:

  1. die deutschen Sprachkenntnisse ausbauen und mindestens auf Niveau B1 zu führen
  2. im Heimatland fachliche Abschlüsse im Bereich Bau zu erzielen und diese in Deutschland anerkennen zu lassen.

Angesichts der oben genannten Prognosen bestehen hier auch für völlige Neueinsteiger in die deutsche Sprache sehr gute Chancen. Innerhalb von 1 bis 2 Jahren lässt sich Deutsch auch nebenberuflich bis zum erforderlichen Niveau B1 erlernen und es sollte dann entsprechend aktueller Erwartungen immer noch genügend freie Arbeitsplätze in der Bauindustrie bestehen.

Falls noch keine fachliche Ausbildung oder ein fachliches Studium begonnen wurde, kann sich zunächst ein substanzieller Deutschkurs empfehlen, mit denen im Anschluss auch eine duale Berufsausbildung oder ein Duales Studium in Deutschland begonnen werden kann. Mit einer Ausbildung oder einem Dualen Studium gibt bereits heute und jenseits der Chancenkarte verschiedene Möglichkeiten, wie man in Deutschland als Ausländer auf dem Bau arbeiten kann. Ebenfalls attraktiv ist hier die Ferienbeschäftigung für ausländische Studierende auch aus Nicht-EU-Staaten.

Für Interessenten aus dem Ausland wie für die Bauindustrie erscheint es vielversprechend, diese Möglichkeiten noch häufiger und systematischer zu nutzen und sich jetzt auf den noch stärkeren Fachkräftebedarf in der Bauindustrie einzustellen. Über unseren kostenlosen Newsletter bleiben Sie über alle Entwicklungen informiert.

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