
Ausländerinnen und Ausländer aus Drittstaaten wie auch aus EU-Staaten können in Deutschland Unternehmen gründen. Wir erklären, was man grundlegend für die Gründung eines Unternehmens als Ausländer in Deutschland wissen sollte.
Inhaltsverzeichnis
Wer darf in Deutschland eine Firma gründen als Ausländer?
Grundsätzlich kann jeder in Deutschland ein Unternehmen gründen – egal aus welchem Land. EU-Bürger und Menschen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) haben es am einfachsten, da sie keine besonderen Genehmigungen brauchen. Sie können sich direkt selbstständig machen oder eine Firma anmelden.
Für Nicht-EU-Bürger ist es etwas komplizierter. Sie brauchen eine Aufenthaltserlaubnis für eine selbstständige Tätigkeit. Diese bekommen sie, wenn ihr Geschäft für die deutsche Wirtschaft sinnvoll ist, genug Startkapital vorhanden ist und sie Erfahrung in ihrem Bereich haben. Wer schon in Deutschland lebt, etwa als Arbeitnehmer oder Student, braucht oft eine Extra-Erlaubnis, um nebenbei selbstständig zu arbeiten.
Wer darf gründen?
Herkunft 🌍 | Darf gründen? ✅❌ | Besondere Bedingungen 📌 |
---|---|---|
EU/EWR-Bürger | Ja ✅ | Keine |
Nicht-EU-Bürger | Ja, mit Erlaubnis 🛂 | Geschäftsidee muss wirtschaftlich sinnvoll sein, Startkapital nötig 💰 |
Studierende & Arbeitnehmer | Ja, mit Extra-Erlaubnis 📑 | Muss mit Aufenthaltsstatus vereinbar sein |
Freiberufler wie Ärzte, Anwälte oder Architekten brauchen oft zusätzlich eine Zulassung von der jeweiligen Kammer. Wer unsicher ist, sollte sich vorher beraten lassen, z. B. bei der Industrie- und Handelskammer (IHK).
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Schritt für Schritt zur Firmengründung als Ausländer
Wer als Ausländer in Deutschland ein Unternehmen gründen möchte, muss einige Dinge vorbereiten. Der Prozess kann mehrere Wochen oder Monate dauern, je nachdem, ob ein Visum oder eine spezielle Erlaubnis nötig ist. Hier sind die wichtigsten Schritte:
1. Geschäftsidee und Businessplan erstellen
Bevor es losgeht, muss die Geschäftsidee klar sein. Ein Businessplan hilft dabei, das Konzept auszuarbeiten und potenzielle Investoren oder Behörden zu überzeugen. Wichtige Punkte:
- Was bietest du an? (Produkt/Dienstleistung)
- Wer sind deine Kunden? (Zielgruppe)
- Wie verdienst du Geld? (Preise, Kosten, Einnahmen)
- Braucht dein Business spezielle Lizenzen oder Genehmigungen?
2. Aufenthaltserlaubnis für Selbstständige beantragen (Nicht-EU-Bürger)
Wer aus einem Nicht-EU-Land kommt, braucht eine Aufenthaltserlaubnis für eine selbstständige Tätigkeit. Dafür sind nötig:
✅ Businessplan mit Finanzierungsnachweis
✅ Nachweis, dass das Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll ist
✅ Belege über unternehmerische Erfahrung
Diesen Antrag stellt man bei der Ausländerbehörde in Deutschland oder bei der deutschen Botschaft im Heimatland.
3. Finanzielle Mittel und Konto einrichten
Ein Geschäftskonto ist in Deutschland Pflicht. Die Bank fragt oft nach:
- Reisepass und Aufenthaltsgenehmigung
- Businessplan und Unternehmenskonzept
- Nachweis über Startkapital (falls erforderlich)
Tipp: Manche Banken verlangen viel Bürokratie. Direktbanken oder Banken mit Erfahrung bei internationalen Gründern sind oft einfacher.
4. Gewerbe anmelden und Steuernummer beantragen
Nun muss das Unternehmen offiziell registriert werden:
🏢 Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt (außer für Freiberufler)
📄 Steuerliche Erfassung beim Finanzamt (erforderlich für Steuernummer)
📑 Falls nötig: Anmeldung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK)
5. Sozialversicherung & Versicherungen klären
Als Unternehmer gibt es keine automatische Krankenversicherung. Man muss sich selbst versichern (gesetzlich oder privat). Auch eine Betriebshaftpflichtversicherung kann sinnvoll sein, je nach Branche.
6. Geschäft starten & Kunden gewinnen
Sobald alles erledigt ist, kann es losgehen:
📢 Marketing & Werbung (Webseite, Social Media, Flyer)
👥 Netzwerken & erste Kunden gewinnen
📊 Buchhaltung organisieren (Steuern, Rechnungen, Finanzen)
Unterstützung und Fördermöglichkeiten für ausländische Gründer
Die Gründung eines Unternehmens in Deutschland kann für ausländische Unternehmer finanziell und organisatorisch herausfordernd sein. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Förderprogramme und Beratungsstellen, die Unterstützung bieten. Die Förderung richtet sich sowohl an innovative Startups als auch an klassische kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Besonders vorteilhaft sind staatliche Zuschüsse, Darlehen mit niedrigen Zinsen und individuelle Beratungsangebote, die bei bürokratischen Hürden helfen.
Ein zentraler Akteur ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die spezielle Förderprogramme für Gründer bereitstellt. Dazu gehört das ERP-Gründerkredit-StartGeld, ein zinsgünstiges Darlehen von bis zu 125.000 Euro. Auch Förderbanken der einzelnen Bundesländer bieten finanzielle Unterstützung, darunter Zuschüsse für Beratungsleistungen oder Innovationsprojekte. Zudem können internationale Gründer bei den IHKs (Industrie- und Handelskammern) kostenlose Erstberatungen zu Geschäftsmodellen, Finanzierung und Steuerfragen erhalten.
Fördermöglichkeiten für ausländische Gründer
Fördermöglichkeit | Beschreibung 📌💰 |
---|---|
ERP-Gründerkredit (KfW) | Bis zu 125.000 € zinsgünstiges Darlehen 💶 |
BAFA-Förderung | Zuschüsse für Beratungsleistungen 🏢💡 |
Landesförderbanken | Regionale Programme für Startups 📍💵 |
IHK-Gründungsberatung | Kostenlose Beratung zu Businessplänen 📝🤝 |
EXIST-Gründerstipendium | Förderung für technologieorientierte Startups 🚀 |
Besonders technologieorientierte Startups können von Programmen wie dem EXIST-Gründerstipendium profitieren, das innovative Geschäftsideen mit bis zu 35.000 Euro unterstützt. Wer als ausländischer Unternehmer plant, in Deutschland zu gründen, sollte sich frühzeitig über passende Fördermöglichkeiten informieren, da einige Programme spezifische Anforderungen an Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsstatus stellen.
Regional unterschiedliches Businessklima in Deutschland für Unternehmer aus dem Ausland
Deutschland bietet ausländischen Unternehmern je nach Region sehr unterschiedliche wirtschaftliche Bedingungen. Während große Städte wie Berlin, München und Hamburg als Innovationszentren mit internationaler Vernetzung gelten, bieten kleinere Städte und ländliche Regionen niedrigere Kosten, spezialisierte Förderprogramme und weniger Konkurrenz. Entscheidend für die Standortwahl sind Faktoren wie Zugang zu Fachkräften, Gewerbemieten, lokale Förderungen und Branchenschwerpunkte.
In Berlin profitieren Startups von einer dynamischen Gründerszene, zahlreichen Investoren und Förderprogrammen wie dem Berliner Startup Stipendium. Allerdings sind Gewerbeflächen teuer, und der Wettbewerb um Fachkräfte ist hoch. München ist besonders attraktiv für Tech- und Finanzunternehmen, bietet jedoch hohe Lebenshaltungskosten. Hamburg ist als Handels- und Logistikstandort ideal für internationale Unternehmen, hat aber höhere Gewerbesteuern.
Im Rheinland (NRW), mit Städten wie Düsseldorf, Köln und Dortmund, gibt es eine starke Industrie- und Dienstleistungslandschaft. NRW bietet die höchste Bevölkerungsdichte in Deutschland und zahlreiche Unternehmensnetzwerke. Die Gewerbesteuer ist hier oft niedriger als in München oder Hamburg. Baden-Württemberg, mit Städten wie Stuttgart und Karlsruhe, ist bekannt für seinen starken Mittelstand, insbesondere in den Bereichen Automobil, Maschinenbau und IT.
Ländliche Regionen wie Sachsen, Thüringen oder Brandenburg sind attraktiv durch günstige Gewerbemieten, Landesförderungen und steuerliche Vorteile für Unternehmen. Sachsen, insbesondere Leipzig und Dresden, entwickelt sich zunehmend zu einem Technologie- und Forschungsstandort. Thüringen und Brandenburg bieten gute Bedingungen für produzierende Betriebe, allerdings gibt es dort weniger internationale Netzwerke.
In Bremen und Niedersachsen gibt es zahlreiche Cluster in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, erneuerbare Energien und maritime Wirtschaft. Niedersachsen mit Hannover als Zentrum bietet zudem eine starke Logistik– und Automobilbranche. Rheinland-Pfalz und das Saarland sind für Weinbau, Chemieindustrie und Automobilzulieferer bekannt, mit einer engen wirtschaftlichen Verbindung zu Frankreich.
Bayern ist außerhalb von München ebenfalls wirtschaftlich stark, mit Städten wie Nürnberg (Industrie, Medizintechnik), Augsburg (Luft- und Raumfahrt) und Regensburg (Automobil und Elektronik). Auch hier gibt es zahlreiche Förderprogramme für KMU und Startups.
Businessklima nach Bundesländern
Bundesland | Stärken 💡 | Herausforderungen ⚠️ |
---|---|---|
Berlin 🏙️ | Startup-Hub, viele Investoren, hohe Innovationskraft 🚀 | Hohe Mieten, starker Wettbewerb 💰 |
München (Bayern) 🏦 | Tech-, Automobil- und Finanzzentrum, starkes Netzwerk 💻 | Hohe Lebenshaltungskosten, begrenzter Wohnraum 🏠 |
Hamburg 🚢 | Logistik-, Handels- und Medienmetropole ⚓📦 | Hohe Gewerbesteuer, starker Wettbewerb 📊 |
NRW (Düsseldorf, Köln, Dortmund) 🏭 | Industrie, Dienstleistungen, viele Unternehmen 🏢 | Starke Konkurrenz, teils hohe Mieten 🏙️ |
Baden-Württemberg (Stuttgart, Karlsruhe) 🚗 | Automobil, Maschinenbau, viele Hidden Champions 🏗️ | Hohe Kosten für Gewerbeflächen 📈 |
Sachsen (Leipzig, Dresden) 💡 | Technologie- und Forschungsstandort 🔬 | Weniger internationale Netzwerke 🌍 |
Thüringen, Brandenburg 🌾 | Niedrige Gewerbemieten, staatliche Förderungen 🏠 | Geringere Vernetzung, weniger Fachkräfte 👷♂️ |
Niedersachsen (Hannover, Wolfsburg) 🚗 | Automobilindustrie, Logistik, erneuerbare Energien 🌱 | Weniger Gründerzentren als in Großstädten |
Bremen, Rheinland-Pfalz, Saarland 🏭 | Chemie, Luft- und Raumfahrt, Grenznähe zu Frankreich 🇫🇷 | Weniger Startup-Förderungen als in Berlin/München 📉 |
Wer ein international ausgerichtetes Unternehmen gründen möchte, profitiert von der Internationalität großer Städte und deren Zugang zu Investoren. Wer niedrige Fixkosten sucht oder in der Produktion tätig ist, kann von ländlichen Regionen mit günstigen Mieten und regionalen Förderprogrammen profitieren.
Alternativen zur Gründung oder Zwischenschritte vor einer Gründung
Nicht jeder Gründer möchte oder kann sofort ein eigenes Unternehmen in Deutschland starten. Gerade für ausländische Unternehmer kann es sinnvoll sein, zuerst alternative Wege zu nutzen, um Erfahrung zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und Kapital aufzubauen. Es gibt verschiedene Zwischenschritte, die helfen können, das unternehmerische Risiko zu minimieren und die Erfolgschancen zu erhöhen.
1. Freiberufliche Tätigkeit als Einstieg
Eine beliebte Alternative zur Firmengründung ist die freiberufliche Selbstständigkeit. Berufe wie IT-Entwickler, Designer, Berater oder Übersetzer gelten in Deutschland als Freie Berufe und erfordern keine Gewerbeanmeldung – eine Anmeldung beim Finanzamt genügt. Dies ist besonders interessant für Ausländer, da weniger Bürokratie nötig ist und oft kein hohes Startkapital benötigt wird. Wer in einem gewerblichen Bereich tätig ist, kann sich als Kleinunternehmer anmelden, um von steuerlichen Erleichterungen zu profitieren.
2. Franchising – Ein fertiges Geschäftskonzept nutzen
Wer unternehmerisch tätig sein will, aber kein eigenes Geschäftskonzept entwickeln möchte, kann sich für ein Franchise-Modell entscheiden. Bekannte Franchise-Marken wie McDonald’s, Edeka oder FitX bieten Gründern die Möglichkeit, eine bereits etablierte Geschäftsidee zu nutzen. Dies reduziert das Risiko und erleichtert den Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten. Allerdings muss meist eine Einstiegsgebühr und eine Umsatzbeteiligung gezahlt werden.
3. Beteiligung an einem bestehenden Unternehmen
Eine weitere Option ist der Einstieg als Teilhaber in ein bestehendes Unternehmen. Das kann durch Kapitalbeteiligung oder als aktiver Geschäftspartner geschehen. Besonders im deutschen Mittelstand suchen viele Firmen Nachfolger oder neue Investoren, was eine Chance für ausländische Unternehmer darstellt. Über Plattformen wie nexxt-change.org lassen sich Unternehmen finden, die Nachfolger suchen.
4. Testphase mit Nebenberuflicher Selbstständigkeit
Wer sich nicht sicher ist, ob eine Unternehmensgründung langfristig erfolgreich sein wird, kann zunächst im Nebenerwerb starten. Dies bedeutet, dass man neben einer Festanstellung oder einem Studium eine selbstständige Tätigkeit ausübt, um den Markt zu testen. So lassen sich Risiken minimieren und erste Kunden gewinnen, bevor eine Vollzeitgründung erfolgt.
5. Unternehmensübernahme statt Neugründung
Statt ein neues Unternehmen aufzubauen, kann es lohnenswert sein, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen. In Deutschland stehen viele mittelständische Betriebe zur Nachfolge bereit, insbesondere in Branchen wie Handwerk, Gastronomie oder Produktion. Eine Übernahme kann einfacher sein als eine Neugründung, da bereits ein Kundenstamm, Infrastruktur und Mitarbeiter vorhanden sind.
Vergleich der Alternativen zur Gründung
Alternative | Vorteile ✅ | Herausforderungen ⚠️ |
---|---|---|
Freiberufliche Tätigkeit 🖥️ | Weniger Bürokratie, schnelle Anmeldung, geringe Fixkosten 💼 | Einkommensschwankungen, unsichere Auftragslage 📉 |
Franchising 🍔 | Erprobtes Geschäftskonzept, oft leichter Zugang zu Krediten 💰 | Hohe Einstiegsgebühren, wenig unternehmerische Freiheit 🤝 |
Beteiligung an Unternehmen 🏭 | Direktes Einkommen, bestehendes Netzwerk 🤝 | Kapital erforderlich, Abhängigkeit von Partnern 📊 |
Nebenberufliche Selbstständigkeit 📈 | Sicherer Einkommensstrom, Testphase möglich 💡 | Hohe Doppelbelastung, begrenzte Zeitressourcen ⏳ |
Unternehmensübernahme 🏢 | Bestehender Kundenstamm, Infrastruktur vorhanden ✅ | Finanzierung oft schwierig, Anpassung an bestehende Strukturen notwendig 💸 |
Diese Alternativen können helfen, die beste Strategie für den Markteintritt in Deutschland zu finden. Wer zunächst klein anfängt, minimiert das Risiko und kann wertvolle Erfahrung sammeln, bevor eine größere Unternehmensgründung erfolgt.
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