Lehrer oder Lehrerin wirst du in Deutschland regulĂ€r ĂŒber ein Lehramtsstudium und den anschlieĂenden Vorbereitungsdienst, auch Referendariat genannt. Hast du bereits ein anderes Studium oder eine LehrbefĂ€higung aus dem Ausland, kommen andere Verfahren infrage. Entscheidend sind dein Abschluss, deine FĂ€cher, das gewĂŒnschte Lehramt und das Bundesland, in dem du arbeiten möchtest.
Dieser Ăberblick betrifft den Einstieg als Lehrkraft an Schulen. FĂŒr Hochschullehre, private Nachhilfe oder Unterricht in der Erwachsenenbildung gelten andere Zugangswege. Eine TĂ€tigkeit als Vertretungslehrkraft ist auĂerdem nicht automatisch mit einer vollstĂ€ndig erworbenen LehramtsbefĂ€higung gleichzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
Welcher Weg passt zu deiner Ausgangslage?
Bevor du StudiengĂ€nge oder Stellen suchst, ordne zuerst deine bisherige Qualifikation ein. So vermeidest du, dich fĂŒr ein Verfahren zu bewerben, das einen anderen Abschluss voraussetzt.
| Deine Ausgangslage | Möglicher Weg | NÀchster sinnvoller Schritt |
|---|---|---|
| Du möchtest nach der Schule ins Lehramt. | Lehramtsstudium und Vorbereitungsdienst. | Lehramt, FĂ€cherkombination und Zulassung an passenden Hochschulen prĂŒfen. |
| Du hast ein Hochschulstudium ohne Lehramtsausrichtung abgeschlossen. | Ein zugelassener Quer- oder Seiteneinstiegsweg des Landes oder ein ergÀnzendes Studium. | Abschluss und Studienleistungen mit den Anforderungen des Zielbundeslandes abgleichen. |
| Du besitzt eine abgeschlossene Lehrqualifikation aus dem Ausland. | Berufliche Anerkennung durch die zustĂ€ndige Landesstelle. | ZustĂ€ndige Behörde, erforderliche Nachweise und mögliche AusgleichsmaĂnahmen klĂ€ren. |
| Du hast bereits einen deutschen Lehramtsabschluss oder eine LehramtsbefĂ€higung. | Bewerbung fĂŒr Vorbereitungsdienst beziehungsweise Schuldienst. | Das passende Einstellungsverfahren des gewĂŒnschten Landes auswĂ€hlen. |
Die Kultusministerkonferenz erlĂ€utert die ZustĂ€ndigkeit der LĂ€nder fĂŒr die LehrkrĂ€ftebildung. Es gibt deshalb keinen einzigen bundesweiten Bewerbungsweg mit identischen Fristen und Voraussetzungen.
Der regulÀre Weg: Lehramtsstudium und Referendariat
1. Lehramt und FÀcher auswÀhlen
Ăberlege zuerst, welche Altersgruppen und welche Inhalte zu dir passen. Grundschule, weiterfĂŒhrende Schule, berufliche Schule und sonderpĂ€dagogische Ausrichtungen stellen unterschiedliche Anforderungen. Die Bezeichnungen und angebotenen LehrĂ€mter unterscheiden sich zwischen den LĂ€ndern.
PrĂŒfe bei der Hochschule ausdrĂŒcklich, ob der Studiengang auf das gewĂŒnschte Lehramt vorbereitet. Ein fachwissenschaftlicher Bachelor in Deutsch, Mathematik oder Physik ist nicht automatisch ein Lehramtsabschluss. Wichtig sind auĂerdem die zulĂ€ssige FĂ€cherkombination, die schulpraktischen Anteile und mögliche zusĂ€tzliche EignungsprĂŒfungen. Unser Ăberblick zum Lehramtsstudium und seinen Zulassungsvoraussetzungen hilft bei dieser ersten Auswahl.
2. Den passenden Studienabschluss erwerben
Je nach Land und Studienmodell fĂŒhrt der Weg ĂŒber einen lehramtsbezogenen Bachelor und Master of Education oder ĂŒber einen Studiengang mit StaatsprĂŒfung. Welche AbschlĂŒsse zum anschlieĂenden Vorbereitungsdienst berechtigen, musst du beim Zielbundesland prĂŒfen. Die KMK beschreibt die gegenseitige Anerkennung deutscher LehramtsabschlĂŒsse und den Zugang zum entsprechenden Lehramtstyp.
3. Den Vorbereitungsdienst abschlieĂen
Im Referendariat wird die schulpraktische Ausbildung mit begleitender Qualifizierung verbunden. Es handelt sich nicht bloĂ um eine zusĂ€tzliche PrĂŒfung nach einem beliebigen Fachstudium. Dauer, Organisation und Abschluss richten sich nach den Landesvorgaben.
Beispiel Berlin: Die Senatsverwaltung beschreibt einen regulĂ€ren Weg mit fĂŒnf Jahren Studium und anschlieĂend 18 Monaten Vorbereitungsdienst. Der Berliner Vorbereitungsdienst findet an Schulen und am Berliner Landesinstitut fĂŒr Qualifizierung und QualitĂ€tsentwicklung an Schulen statt. Dieses Beispiel darf nicht pauschal auf alle LĂ€nder und Ausbildungswege ĂŒbertragen werden.

Lehrer werden ohne Lehramtsstudium: Quereinstieg prĂŒfen
Ein Hochschulabschluss auĂerhalb des Lehramts kann eine Grundlage fĂŒr einen zusĂ€tzlichen Zugangsweg sein. Die Begriffe Quereinstieg und Seiteneinstieg werden jedoch nicht ĂŒberall gleich verwendet. PrĂŒfe deshalb, welche Qualifizierung das konkrete Landesprogramm vorsieht und welchen Abschluss oder welche BefĂ€higung du damit erwerben kannst.
Beispiel Berlin: FĂŒr den auf der Landeswebsite beschriebenen Quereinstieg in den Lehrerberuf werden unter anderem ein passender Diplom-, Master- oder Magisterabschluss und zuordenbare Studienleistungen geprĂŒft. Hinzu kommen der Bedarf fĂŒr das entsprechende Fach und die Auswahl durch eine Schule. Fehlen ausreichende Leistungen fĂŒr ein zweites Fach, können in bestimmten FĂ€llen zunĂ€chst berufsbegleitende Studien erforderlich sein.
Ein kurzer PĂ€dagogikkurs oder ein Bachelor allein ist damit keine allgemeine Eintrittskarte in den Schuldienst. Lass deine FĂ€cher- und LeistungsĂŒbersichten vor einer weitreichenden Entscheidung anhand des konkreten Programms beurteilen. Der Artikel zum Quereinstieg als Lehrer oder Lehrerin bietet eine weitere Orientierung; verbindlich bleiben die aktuellen Landesanforderungen.
Mit auslÀndischer Lehrqualifikation in Deutschland unterrichten
Wenn du im Ausland bereits vollstĂ€ndig als Lehrkraft ausgebildet wurdest, ist die berufliche Anerkennung der passende Ausgangspunkt. Eine bloĂe Bewertung eines Hochschulabschlusses beantwortet noch nicht sĂ€mtliche Fragen zum Berufszugang. Ăber den Anerkennungs-Finder fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer kannst du das Verfahren fĂŒr deinen vorgesehenen Arbeitsort ermitteln.
Die zustĂ€ndige Landesbehörde prĂŒft deine Qualifikation. Dabei können Ausbildungsinhalte, FĂ€cher und weitere Nachweise relevant sein. Welche zusĂ€tzlichen Qualifizierungen oder AusgleichsmaĂnahmen erforderlich sind, lĂ€sst sich nicht allein aus der Bezeichnung deines auslĂ€ndischen Abschlusses ableiten.
Das Berliner Anerkennungsverfahren fĂŒr auslĂ€ndische Lehrqualifikationen verlangt beispielsweise eine vollstĂ€ndig abgeschlossene Berufsqualifikation als Lehrkraft. Zu den genannten Unterlagen gehören Ausbildungsnachweise, FĂ€cher- und NotenĂŒbersichten, gegebenenfalls TĂ€tigkeitsnachweise und erforderliche Ăbersetzungen. PrĂŒfe die aktuelle Unterlagenliste, bevor du Ăbersetzungen beauftragst.
KlĂ€r auĂerdem frĂŒhzeitig den geforderten Deutschnachweis und den Zeitpunkt, zu dem du ihn vorlegen musst. Als konkretes LĂ€nderbeispiel verlangt Berlin fĂŒr bestimmte Bewerbergruppen im Quereinstieg einen Nachweis auf Niveau C2. Daraus folgt kein einheitlicher Sprachnachweis fĂŒr jedes Anerkennungs- und Einstellungsverfahren in Deutschland. Anerkennung, Einstellung und gegebenenfalls erforderliche Aufenthaltsberechtigung sind getrennte Fragen.

Passt der Lehrerberuf zu dir?
Fachinteresse ist eine wichtige Grundlage, reicht fĂŒr den Berufsalltag aber nicht allein. Du solltest bereit sein, mit Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen respektvoll zu arbeiten, unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu berĂŒcksichtigen und auch schwierige Situationen professionell zu begleiten. Eine grundsĂ€tzlich ablehnende Haltung gegenĂŒber der Zielgruppe ist ein ernsthafter Anlass, die Berufswahl zu ĂŒberdenken.
PrĂŒfe deine Erwartungen möglichst durch schulische Praktika oder eine abgestimmte Hospitation. Achte dabei auf mehr als die ErklĂ€rung des Unterrichtsstoffs: Wie werden Regeln vermittelt, RĂŒckfragen beantwortet, Leistungen besprochen und Konflikte bearbeitet? GesprĂ€che mit LehrkrĂ€ften verschiedener Schulformen geben dir eine realistischere Grundlage als allgemeine Berufsbilder.
Arbeitszeit, Ferien und Bezahlung realistisch einschÀtzen
Unterrichtsstunden sind nicht mit der gesamten Arbeitszeit gleichzusetzen. Vorbereitung, Korrekturen, GesprĂ€che, Konferenzen und weitere Aufgaben gehören ebenfalls zum Beruf. Eine pauschale bundesweite Angabe wie â40 Stunden, ĂŒberwiegend vormittagsâ bildet die unterschiedlichen Dienst- und BeschĂ€ftigungsregelungen nicht zuverlĂ€ssig ab.
Schulferien bedeuten zudem nicht, dass LehrkrĂ€fte wĂ€hrend der gesamten Zeit Urlaub haben. Als konkretes Beispiel bestimmt die Allgemeine Dienstordnung fĂŒr öffentliche Schulen in Nordrhein-Westfalen in § 14, dass Urlaub in den Ferien genommen wird. DarĂŒber hinausgehende Ferienzeiten dienen unter anderem Fortbildung, Unterrichtsvorbereitung und anderen dienstlichen Aufgaben.
Die Bezahlung hĂ€ngt vom BeschĂ€ftigungsstatus und den jeweils geltenden Regelungen ab. Die Berliner Einstellungsinformationen erlĂ€utern beispielsweise Unterschiede nach Einsatz und Qualifikation sowie bei noch nicht abgeschlossener berufsbegleitender Ausbildung. Frage bei einem konkreten Angebot nach Eingruppierung beziehungsweise Besoldung, berĂŒcksichtigter Erfahrung und BeschĂ€ftigungsumfang. Wenn Teilzeit fĂŒr dich wichtig ist, klĂ€re Voraussetzungen und tatsĂ€chliche Aufgabenverteilung frĂŒhzeitig mit der zustĂ€ndigen Personalstelle.
Welche FĂ€cher bieten gute Einstellungschancen?
Der Bedarf unterscheidet sich nach Land, Lehramt, Unterrichtsfach und Einstellungsjahr. Aus der allgemeinen Diskussion ĂŒber LehrkrĂ€ftemangel folgt nicht, dass jede FĂ€cherkombination an jedem gewĂŒnschten Ort gleichermaĂen gesucht wird. Nutze die KMK-Modellrechnungen zu LehrkrĂ€fteeinstellungsbedarf und Angebot als Orientierung und prĂŒfe anschlieĂend die konkreten Ausschreibungen des Landes.
Bei der Studienwahl solltest du Bedarf und Eignung gemeinsam betrachten. Ein vermeintliches Mangelfach ist keine gute Wahl, wenn du dessen Inhalte nicht grĂŒndlich erlernen und gern vermitteln möchtest. FĂŒr einen bereits vorhandenen Abschluss ist wiederum entscheidend, welchem Unterrichtsfach die tatsĂ€chlich erbrachten Studienleistungen zugeordnet werden.
Deine nÀchsten Schritte
Stelle zunĂ€chst eine kurze Ăbersicht zusammen, bevor du dich an eine Hochschule oder Einstellungsstelle wendest. Sie erleichtert eine zielgerichtete Beratung.
- Ziel eingrenzen: Welches Bundesland, welche Schulform und welche FĂ€cher kommen infrage?
- Qualifikation dokumentieren: Schulabschluss, Hochschulzeugnisse, LeistungsĂŒbersichten und gegebenenfalls auslĂ€ndische LehrbefĂ€higung bereithalten.
- Passenden Zugang wÀhlen: Lehramtsstudium, Vorbereitungsdienst, Quereinstieg oder Anerkennung unterscheiden.
- Offene Anforderungen klÀren: Fehlende Studienleistungen, Sprachnachweise, Qualifizierungen und aktuelle Bewerbungsfristen erfragen.
- Alltag und Finanzierung prĂŒfen: Praktikum oder Hospitation nutzen und Studien- beziehungsweise Ausbildungsphase realistisch planen.
Digitale Werkzeuge können dich bei der Vorbereitung unterstĂŒtzen, nehmen dir die fachliche und pĂ€dagogische PrĂŒfung aber nicht ab. Wie sich solche Hilfen sinnvoll einordnen lassen, erklĂ€rt unser Beitrag zu KI und adaptivem Lernen in der Bildung.
Der passende Weg in den Lehrerberuf hĂ€ngt vor allem von deiner bisherigen Qualifikation und den Regeln des Zielbundeslandes ab. Lege deshalb zuerst Lehramt und FĂ€cher fest und lass anschlieĂend den dafĂŒr vorgesehenen Zugang prĂŒfen. Eine konkrete Beratung mit vollstĂ€ndigen Nachweisen ist die sinnvollste Grundlage, bevor du ein Studium beginnst, einen Quereinstieg planst oder eine Anerkennung beantragst.