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Einflüsse von Künstlicher Intelligenz im Bereich Berufsausbildung
Wie verändert Künstliche Intelligenz aktuell die Prozesse und Inhalte in der beruflichen Ausbildung?
Dr. Wolfgang Sender, KI-Experte und Gründer der KI-Lernplattform TopTest.ai, erklärt: “Ich sehe derzeit eine fundamentale Verschiebung, weil KI-Tools die Wissensvermittlung individualisieren und administrative Aufgaben automatisieren.” Diese Entwicklung führe dazu, dass Ausbilder entlastet werden und sich stärker auf die persönliche Betreuung der Auszubildenden konzentrieren können, während gleichzeitig adaptive Lernpfade entstehen, die sich dem individuellen Tempo und Wissensstand anpassen. Zugleich entstehe eine neue digitale Kluft, weil Betriebe mit unterschiedlicher technologischer Ausstattung ihre Auszubildenden ungleich auf die Arbeitswelt von morgen vorbereiten.
Für die kommenden Jahre prognostiziert Sender, dass KI-basierte Tutorensysteme (sogenannte Chatbots) zu festen Bestandteilen der betrieblichen Unterweisung werden und damit die Verfügbarkeit von Lernunterstützung deutlich erhöhen, wodurch sich auch die Kosten für wiederholende Anleitungen senken lassen. Eine weitere konkrete Auswirkung sei die automatische Generierung und Aktualisierung von praxisnahen Übungsaufgaben und simulierten Fehlerszenarien, was die Qualität der Ausbildung steigere. Als menschliche Domäne werden voraussichtlich die komplexe praktische Unterweisung an hochspezialisierten Maschinen, die pädagogische Beurteilung von soft skills sowie die strategische Steuerung und ethische Governance der KI-Systeme im Bildungsbetrieb bleiben. Berufseinsteigern rät Sender, frühzeitig Kompetenzen im kritischen Umgang mit KI-generierten Informationen und in der präzisen Prompt-Formulierung für Fachsoftware aufzubauen. “Ich empfehle derzeit, sich systematisch mit Tools für die berufsspezifische Wissensabfrage und mit digitalen Simulationen der eigenen Fachdomäne vertraut zu machen.”
Die Verbesserung des Zugangs zur Berufsausbildung wird nach Auffassung der OECD entscheidend sein, um sicherzustellen, dass mehr junge Menschen den steigenden Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften decken können. Dies ist besonders wichtig angesichts der tiefgreifenden Veränderungen, die durch die grüne und digitale Transformation ausgelöst werden.
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Der aktuelle Stand der Berufsausbildung
Laut dem OECD-Bericht “Education at a Glance 2023” sind 44 % aller Schüler im Sekundarbereich II in beruflichen Bildungs- und Ausbildungsprogrammen (VET) eingeschrieben. Trotz dieses hohen Anteils werden berufliche Programme in vielen Ländern immer noch als letzter Ausweg angesehen.
Die Brücke zwischen Schule und Beruf
Berufsausbildung kann die Kluft zwischen Schulbildung und Beschäftigung überbrücken und die Lernergebnisse verbessern, indem sie Fähigkeiten vermittelt, die am besten am Arbeitsplatz erworben werden können. Die Einbeziehung der Industrie in die VET sollte daher eine Priorität sein. Weniger als die Hälfte aller Schüler im Sekundarbereich II, die in VET-Programmen eingeschrieben sind, nehmen an Programmen teil, die Elemente des arbeitsbasierten Lernens beinhalten.
Stärkere Verbindungen zu anderen Bildungsebenen
Es ist wichtig, stärkere Übergänge zwischen VET und anderen Bildungsebenen zu schaffen. Im Durchschnitt sind in den OECD-Ländern ein Viertel der VET-Schüler in Programmen im Sekundarbereich II eingeschrieben, die keinen direkten Zugang zur tertiären Bildung bieten. Berufliche Programme müssen die erforderlichen Qualifikationen für das Weiterstudium auf tertiärer Ebene bereitstellen.
Frühere und bessere Berufsorientierung
Junge Menschen benötigen Zugang zu effektiver Berufsorientierung, um sie zu ermutigen, bereits in jungen Jahren mehr Beschäftigungsmöglichkeiten zu erkunden. Schüler sollten auch die Möglichkeit haben, Arbeitsplätze zu besuchen und mit einer Reihe von Arbeitnehmern zu interagieren, bevor sie endgültige Entscheidungen treffen müssen.
Qualität der Lehrkräfte
Gut qualifizierte und motivierte Lehrkräfte sind für starke Bildungssysteme unerlässlich. Viele Länder priorisieren jedoch immer noch kleinere Klassen gegenüber der Steigerung der Lehrerqualität. Dies ist besonders problematisch, da viele OECD-Länder mit Lehrermangel konfrontiert sind.
Lohnentwicklung und Karrierechancen
Die durchschnittlichen gesetzlichen Löhne für Grund- und Sekundarschullehrer sind seit 2015 in realen Begriffen um weniger als 1 % pro Jahr gestiegen. In fast der Hälfte der OECD-Länder, für die Daten verfügbar sind, sind die realen gesetzlichen Löhne gesunken. Länder sollten daher Möglichkeiten für den beruflichen Aufstieg erhöhen, den Verwaltungsaufwand für Lehrer reduzieren und die Bezahlung verbessern, um hochwertiges Lehrpersonal anzuziehen.
Fragen und Antworten
Einflüsse von Künstlicher Intelligenz im Bereich Berufsausbildung
Wie verändert Künstliche Intelligenz aktuell die Prozesse und Inhalte in der beruflichen Ausbildung?
Dr. Wolfgang Sender, KI-Experte und Gründer der KI-Lernplattform TopTest.ai, erklärt: “Ich sehe derzeit eine fundamentale Verschiebung, weil KI-Tools die Wissensvermittlung individualisieren und administrative Aufgaben automatisieren.” Diese Entwicklung führe dazu, dass Ausbilder entlastet werden und sich stärker auf die persönliche Betreuung der Auszubildenden konzentrieren können, während gleichzeitig adaptive Lernpfade entstehen, die sich dem individuellen Tempo und Wissensstand anpassen. Zugleich entstehe eine neue digitale Kluft, weil Betriebe mit unterschiedlicher technologischer Ausstattung ihre Auszubildenden ungleich auf die Arbeitswelt von morgen vorbereiten.
Für die kommenden Jahre prognostiziert Sender, dass KI-basierte Tutorensysteme (sogenannte Chatbots) zu festen Bestandteilen der betrieblichen Unterweisung werden und damit die Verfügbarkeit von Lernunterstützung deutlich erhöhen, wodurch sich auch die Kosten für wiederholende Anleitungen senken lassen. Eine weitere konkrete Auswirkung sei die automatische Generierung und Aktualisierung von praxisnahen Übungsaufgaben und simulierten Fehlerszenarien, was die Qualität der Ausbildung steigere. Als menschliche Domäne werden voraussichtlich die komplexe praktische Unterweisung an hochspezialisierten Maschinen, die pädagogische Beurteilung von soft skills sowie die strategische Steuerung und ethische Governance der KI-Systeme im Bildungsbetrieb bleiben. Berufseinsteigern rät Sender, frühzeitig Kompetenzen im kritischen Umgang mit KI-generierten Informationen und in der präzisen Prompt-Formulierung für Fachsoftware aufzubauen. “Ich empfehle derzeit, sich systematisch mit Tools für die berufsspezifische Wissensabfrage und mit digitalen Simulationen der eigenen Fachdomäne vertraut zu machen.”
Stichwortsuche zu diesem Beitrag: Ausbildung, Fachkräfte, Fachkräfteeinwanderung, Fachkräftemangel, Lehrer, OECD
