Baumkletterer: Grüne Arbeiten in schwindelnder Höhe

Der Beruf des Baumkletterers vereint handwerkliches Geschick mit einer Leidenschaft für die Natur und körperlichem Einsatz in schwindelnder Höhe. In Deutschland sind diese Fachkräfte für eine nachhaltige Baumpflege in Städten und Wäldern unverzichtbar. Die Tätigkeit bietet eine einzigartige Perspektive auf die grüne Infrastruktur des Landes.

Was macht ein Baumkletterer?

Baumkletterer, auch als Seilklettertechniker (SKT) bezeichnet, führen Arbeiten an Bäumen aus, für die keine Hebebühnen oder Kräne eingesetzt werden können. Die Tätigkeit umfasst weit mehr als das reine Fällen von Bäumen. Im Zentrum steht die fachgerechte Pflege, der Erhalt und der Schutz von Bäumen in urbanen und natürlichen Räumen. Dabei kommen spezielle Seil- und Klettertechniken zum Einsatz, um jeden Ast präzise erreichen zu können, ohne den Baum oder die Umgebung zu schädigen. In Deutschland ist diese Arbeit durch strenge Normen, etwa die ZTV-Baumpflege, und umfangreiche Sicherheitsvorschriften geregelt.

AufgabenbereichBeschreibung
Baumpflege und -schnittFachgerechter Kronenschnitt zur Gesunderhaltung, Einkürzung oder Lichtraumprofilarbeit.
Fällung in beengten LagenControlled Take Down: Stückweises Abtragen von Bäumen, wo Maschinen nicht hinkommen.
KronensicherungEinbau von statischen und dynamischen Sicherungssystemen zur Bruchsicherung.
Baumkontrolle und GutachtenBegutachtung der Verkehrssicherheit von Bäumen aus nächster Nähe.
RettungseinsätzeBergung von Personen oder Tieren aus Baumkronen in Notsituationen.

Life-in-Germany.de ist ein unabhängiges Online-Magazin, das seit 2018 über Karrieremöglichkeiten in Deutschland informiert. Wir geben Tipps zu Ausbildung, Dualem Studium, Studium, Job und Bewerbung. Wir unterstützen Unternehmen und Initiativen bei der internationalen Fachkräftegewinnung. Wir freuen uns über Kooperationsanfragen und Themenvorschläge.

Der Arbeitsalltag eines Baumkletterers

Ein beispielhafter Arbeitstag könnte so aussehen – natürlich variiert dies je nach Jahreszeit, Auftraggeber und Wetterlage. Der Tag würde mit einer ausführlichen Besprechung und Gefährdungsbeurteilung am Einsatzort beginnen. Es müssten die Baumstruktur analysiert, die Kletterroute geplant und alle Sicherungs- und Arbeitsseile fachgerecht eingeworfen werden. Anschließend würde die eigentliche Kletterarbeit in der Krone starten, bei der mit Handsäge und Teleskopsäge gearbeitet wird.

Abgeschnittenes Astmaterial müsste kontrolliert abgeseilt und anschließend gehäckselt oder abtransportiert werden. Zum Abschluss des Tages stünden die Reinigung und Wartung des hochspezialisierten Equipments im Mittelpunkt. Dies ist eine beispielhafte Darstellung, die die Vielseitigkeit und den strukturierten Ablauf der Tätigkeit verdeutlicht.

TopTest.ai

Was verdient man als Baumkletterer?

Das Gehalt eines Baumkletterers in Deutschland hängt stark von der Qualifikation, Berufserfahrung, dem Arbeitgeber (kommunal, privat, forstlich) und der Region ab. Ein ausgebildeter Fachagrarwirt für Baumpflege und -sanierung (Seilklettertechnik) kann mit einem höheren Einkommen rechnen als ein Helfer.

Das Einstiegsgehalt nach einer abgeschlossenen Ausbildung im Garten– und Landschaftsbau mit entsprechender Zusatzqualifikation liegt häufig zwischen 2.800 und 3.300 Euro brutto monatlich. Mit Meister– oder Fachagrarwirt-Titel sind in leitender Position oder im eigenen Betrieb deutlich über 4.000 Euro brutto möglich. Gefährlichkeits- und Erschwerniszuschläge für Arbeiten in der Höhe sind dabei üblich.

Für wen ist der Beruf als Baumkletterer geeignet?

Diese Tätigkeit erfordert eine spezielle Kombination aus körperlicher und mentaler Eignung. Ideale Voraussetzungen sind Schwindelfreiheit, eine sehr gute körperliche Fitness und Koordinationsfähigkeit. Darüber hinaus sind handwerkliches Geschick, technisches Verständnis für Seil- und Sicherungstechnik sowie ein verantwortungsbewusster und besonnener Charakter unerlässlich. Man sollte Freude an der Arbeit in und mit der Natur haben und auch bei Wind und Wetter im Freien arbeiten können. Für diesen Beruf ist eine hohe Lernbereitschaft notwendig, da die Sicherheitstechniken und Baumkenntnisse ständig weiterentwickelt werden.

  • Körperliche Fitness und Schwindelfreiheit
  • Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis
  • Verantwortungsbewusstsein und Besonnenheit
  • Freude an der Arbeit in der Natur bei jedem Wetter
  • Bereitschaft zu kontinuierlicher Weiterbildung

Vor- und Nachteile der Tätigkeit

Die Arbeit als Baumkletterer bietet einzigartige Vorzüge, bringt aber auch spezifische Herausforderungen mit sich. Zu den großen Pluspunkten zählt die sinnstiftende Tätigkeit im Einklang mit der Natur und der aktive Beitrag zum Erhalt des Stadtgrüns. Die Arbeit ist äußerst abwechslungsreich, körperlich fordernd und bietet ständig neue Perspektiven buchstäblich von oben. Nachteile sind die ganzjährige Witterungsexposition, die körperliche Belastung und das inhärente Unfallrisiko, das durch strenge Sicherheitsstandards jedoch minimiert wird. Die Arbeitszeiten können saisonal bedingt unregelmäßig sein, und die Anschaffung der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) ist kostspielig.

Wirtschaftliche Relevanz in Deutschland

Baumkletterer haben in Deutschland eine hohe wirtschaftliche und ökologische Bedeutung. Angesichts des Klimawandels und zunehmender Extremwetterereignisse gewinnt die fachgerechte Pflege des urbanen und forstlichen Baumbestandes massiv an Relevanz. Kommunen, private Haushalte, Wohnungsbaugesellschaften und die Deutsche Bahn sind auf diese spezialisierten Dienstleister angewiesen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und Bäume als natürliche Klimaanlagen zu erhalten. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Baumpflegebranche ist stabil bis steigend, da der Wert von gesunden Bäumen für die Lebensqualität und das Stadtklima zunehmend erkannt wird.

Chancen für internationale Bewerber

Für ausländische Fachkräfte, die eine Tätigkeit als Baumkletterer in Deutschland anstreben, gibt es klare Wege. Grundvoraussetzung sind sehr gute Deutschkenntnisse (mindestens B2), da die Sicherheitsunterweisungen und Arbeitsanweisungen präzise verstanden werden müssen. Eine formale Anerkennung der im Ausland erworbenen gärtnerischen oder forstlichen Berufsqualifikation ist oft notwendig.

Der entscheidende Schritt ist der Erwerb der deutschen Zertifizierungen für Seilklettertechnik (SKT), die bei anerkannten Ausbildungsstätten absolviert werden können. Für diesen körperlich anspruchsvollen Beruf sind praktische Vorerfahrungen in verwandten Berufen wie der Forstwirtschaft oder dem Gartenbau von großem Vorteil.

Einstiegsmöglichkeiten und Karriereweg

Der klassische Einstieg in den Beruf des Baumkletterers erfolgt über eine abgeschlossene Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) oder in der Forstwirtschaft. Im Anschluss daran ist der Erwerb der Zertifikate für die Seilklettertechnik (SKT A für die Grundlagen, SKT B für die Kronenpflege und SKT C für die Fällung) verpflichtend.

Diese Kurse werden von spezialisierten Instituten angeboten. Für den beruflichen Aufstieg bietet sich die Weiterbildung zum Fachagrarwirt für Baumpflege und -sanierung (FAW) an, die umfassende Kenntnisse in Baumdiagnostik, Gutachtenerstellung und Betriebsführung vermittelt. Alternativ kann der Weg in die Selbstständigkeit mit einem eigenen Baumpflegebetrieb gewählt werden.

Nach oben scrollen