Low-Code/No-Code-Entwickler: IT-Jobs ohne Programmierstudium

Low-Code/No-Code-Entwickler erstellen Software-Anwendungen mithilfe visueller Baukastensysteme, anstatt klassischen Programmcode zu schreiben. Dieser Ansatz eröffnet den IT-Bereich verstärkt für Quereinsteiger und Fachkräfte aus anderen Domänen. In Deutschland wächst die Nachfrage nach solchen Spezialisten rasant, da viele Unternehmen ihre Digitalisierungsprozesse beschleunigen möchten. Die Tätigkeit umfasst die Konzeption und Umsetzung von Anwendungen; dazu gehört die Modellierung von Arbeitsabläufen, das Gestalten von Benutzeroberflächen sowie die Integration verschiedener Systeme. Koordiniert werden häufig auch die Zusammenarbeit mit Fachabteilungen und die Einführung der fertigen Lösungen im Unternehmen.

Was macht ein Low-Code/No-Code-Entwickler?

Low-Code/No-Code-Entwickler nutzen spezielle Plattformen, um Anwendungen durch visuelles Modellieren, Konfigurieren und das Zusammenfügen vorgefertigter Module zu erstellen. Die Tätigkeit verbindet technisches Verständnis mit logischem Denken und einer starken Nutzerorientierung. Im Gegensatz zur traditionellen Softwareentwicklung entfällt das Schreiben von Zeilen für Zeilen Programmcode. Stattdessen werden Drag-and-Drop-Oberflächen, Workflow-Designer und Formularkonfiguratoren verwendet.

AufgabenbereichBeschreibung
AnforderungsanalyseErfassen und Strukturieren der Geschäftsprozesse und Nutzerbedürfnisse.
ApplikationsdesignVisuelles Modellieren von Datenbanken, Benutzeroberflächen und Workflows.
Integrationen konfigurierenAnbindung von Systemen wie CRM, ERP oder Datenbanken über vorgefertigte Connectors.
Testen und QualitätssicherungDurchführung von Funktionstests und Sicherstellung der Usability.
Bereitstellung und WartungVeröffentlichung der Anwendung und kontinuierliche Anpassung an neue Anforderungen.
Schulung der EndnutzerErklärung der Anwendungsfunktionen für die Fachabteilungen.

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Für wen ist der Beruf als Low-Code/No-Code-Entwickler geeignet?

Der Beruf eignet sich besonders für Personen mit starkem logisch-analytischem Denken und einer Affinität zu Technik, die jedoch keinen klassischen Programmierhintergrund haben. Typische Profile sind Fachkräfte aus dem Controlling, dem Marketing oder dem Vertrieb, die Prozesse aus ihrem Bereich digitalisieren möchten. Auch Quereinsteiger aus handwerklich-technischen Berufen mit strukturierter Arbeitsweise finden hier einen Zugang zur IT. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich in neue Plattformen und digitale Denkweisen einzuarbeiten.

  • Quereinsteiger: Personen ohne IT-Studium, die eine Karriere in der Tech-Branche anstreben.
  • Fachbereichsexperten: Mitarbeiter aus Einkauf, HR oder Logistik, die ihre eigenen Tools bauen wollen („Citizen Developer“).
  • Systematische Denker: Menschen, die komplexe Abläufe verstehen und in strukturierte Schritte zerlegen können.
  • Problemlöser: Personen, die Freude daran haben, ineffiziente Prozesse durch digitale Lösungen zu optimieren.
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Erforderliche Skills und Fachwissen

Obwohl kein tiefgehendes Programmierwissen nötig ist, sind bestimmte Grundkompetenzen unerlässlich. Dazu gehört ein grundlegendes Verständnis von Datenbankstrukturen (Tabellen, Beziehungen) und IT-Systemen. Prozessdenken ist zentral, um Geschäftsabläufe korrekt abzubilden. Da die Arbeit sehr kollaborativ ist, sind Kommunikationsstärke und die Fähigkeit, technische Sachverhalte einfach zu erklären, wichtig. Kenntnisse in spezifischen Plattformen wie Microsoft Power Apps, Mendix, OutSystems oder Appian werden oft vorausgesetzt oder in Kursen erworben.

Ein beispielhafter Arbeitsalltag als Low-Code/No-Code-Entwickler

Ein beispielhafter Arbeitstag könnte so aussehen – natürlich variiert dies je nach Projekt und Unternehmen. Der Tag würde mit einem Abstimmungsmeeting mit der Fachabteilung beginnen, um letzte Details einer neuen Anforderung zu klären. Anschließend könnte die Modellierung eines neuen Datenmodells in der Low-Code-Plattform im Fokus stehen. Nachmittags würden vielleicht Integrationstests für eine Schnittstelle zu einem CRM-System durchgeführt werden. Zum Abschluss des Tages könnte eine Dokumentation der erstellten Funktionalitäten für die Kollegen stehen. Dies ist eine beispielhafte Darstellung, die die Mischung aus Analyse, Konfiguration und Kommunikation verdeutlicht.

Verwandte Berufsfelder und Abgrenzung

Die Tätigkeit grenzt sich klar von der des klassischen Softwareentwicklers ab, der in Programmiersprachen wie Java oder Python codiert. Eng verwandt ist der Beruf des Business-Analysten, der jedoch stärker auf die reine Analyse und Spezifikation fokussiert ist. Auch der Prozessmanager oder der IT-Berater arbeiten in ähnlichen Kontexten. Ein besonderes verwandtes Feld ist der „Citizen Developer“ – ein Mitarbeiter aus einer Fachabteilung, der für seinen eigenen Bereich Low-Code-Tools entwickelt, dies aber nicht hauptberuflich tut.

Chancen für internationale Bewerber in Deutschland

Für internationale Bewerber mit Deutschkenntnissen und entsprechender Qualifikation bietet der deutsche Arbeitsmarkt gute Perspektiven als Low-Code/No-Code-Entwickler. Die Nachfrage übersteigt das lokale Angebot an Fachkräften. Viele der verwendeten Plattformen sind international standardisiert, sodass erworbene Zertifikate weltweit und somit auch in Deutschland anerkannt sind. Wichtig sind gute Englischkenntnisse für die Plattformnutzung und oft mindestens Grundkenntnisse in Deutsch für die Kommunikation mit Fachabteilungen. Die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen im IT-Bereich ist in Deutschland vergleichsweise unkompliziert.

Verdienstmöglichkeiten und Gehalt

Das Gehalt eines Low-Code/No-Code-Entwicklers in Deutschland hängt stark von Erfahrung, spezifischer Plattformexpertise und Unternehmensgröße ab. Einsteiger können mit einem Jahresgehalt zwischen 45.000 und 55.000 Euro rechnen. Mit mehreren Jahren Berufserfahrung und Spezialisierung auf eine gefragte Plattform sind Gehälter von 60.000 bis 75.000 Euro realistisch. In leitenden Positionen oder als Senior-Spezialist in Großkonzernen sind auch Werte jenseits der 80.000 Euro möglich. Die Gehälter liegen oft etwas unter denen von klassischen Senior-Softwareentwicklern, bieten dafür aber einen deutlich schnelleren Einstieg.

Vor- und Nachteile des Berufsbildes

Der größte Vorteil ist der niedrigschwellige Einstieg in die IT-Branche ohne mehrjähriges Studium. Die Arbeit ist oft sehr ergebnisorientiert und man sieht schnell, wie die eigene Konfiguration zu einer funktionierenden Anwendung wird. Die Nachfrage und damit die Job- und Gehaltssicherheit sind hoch. Ein möglicher Nachteil ist die Abhängigkeit von den jeweiligen Plattformherstellern und deren Lizenzmodellen. Zudem kann die Komplexität der Projekte an Grenzen stoßen, die dann klassische Programmierung erfordern. Es besteht die Gefahr, in einer Nische zu bleiben, wenn man sich nicht breiter aufstellt.

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